Unter diesem Titel hatte das Kulturamt der Stadt gemeinsam mit dem Schiller-Gymnasium zu einer Projektpräsentation ins Volksbankhaus Pforzheim eingeladen. Die Vorgeschichte zur Zerstörung Pforzheims am Stadtbild anschaulich und erfahrbar zu machen, ist eine schwierige Aufgabe. Dieser Herausforderung haben sich die die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Schiller-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Pforzheim.
Sie haben an unterschiedlichen Orten innerhalb der Stadt Stationen ausfindig gemacht, an denen die Zerstörung Pforzheims in den Zusammenhang mit der Diktatur des Nationalismus gestellt und erörtert wird. Bei ihren Recherchen deckten sie Spuren einer Vergangenheit auf, deren Lokalbezug im Fokus steht. Ziel des Projektes ist es, das heutige Pforzheim aus der Historie heraus erfahrbar und verständlich zu machen, denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und eine friedliche und tolerante Zukunft gestalten. Zum Ende des Schuljahres soll die Arbeit des Seminarkurses in eine Dokumentation münden, die einen Stadtrundgang zum Thema für andere Schülergruppen ermöglichen soll.
Die Projektpräsentationen zeigten erste Zwischenergebnisse dieser Spurensuche und waren Teil der vielfältigen Veranstaltungen in der Woche des 70. Jahrestages. Jürgen Zachmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank, betonte aus der Geschichte seiner Familie heraus, wie wichtig es sei, dass sich junge Menschen mit der Geschichte ihrer Heimat auseinandersetzen. Dies sei gerade an dem Ort der Präsentation im Volksbankhaus von Bedeutung, da hier die alte Synagoge bis zu ihrer Zerstörung 1938 gestanden habe.
Eine Einführung ins Thema gab Marek Klimanski, stellvertretender Chefredakteur der Pforzheimer Zeitung. Das heutige Pforzheim könne man nur aus seiner Geschichte verstehen. Gerade auch die heutigen Krisen und Kriege auch in Europa zeigten, wie fragil unsere Gegenwart sei. In diesem Sinn sei die Beschäftigung der Schüler mit der eigenen Geschichte ein Weg, um die Gegenwart zu verstehen.
Genau die Brücke von der Vergangenheit zum Heute war das Verbindende der Schülerpräsentationen. Orte, die vorgestellt wurden, waren der Platz der alten Synagoge, die Stolpersteine, der Widerstand gegen die NS-Diktatur am Beispiel der Karl-Bührer-Straße, die Zerstörung der Stadt am Platz des 23. Februar, das Mahnmal am Güterbahnhof zum Thema Deportation oder das Nagelkreuz aus Coventry in der Stadtkirche als Beispiel für die Versöhnung.
Bei den Präsentationen war die persönliche Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler zu spüren. Dies zeigte der abschließende Vortrag zur Frage, ob es gerade angesichts der Zerstörung Pforzheims gerechte Kriege überhaupt geben könne. Vivian Wächter betonte, wie sehr sie selbst durch die Beschäftigung mit dieser Frage verändert worden sei. Ob damals Pforzheim oder heute Syrien oder die Ukraine, das ethische Grundproblem bleibt gleich. Die Auseinandersetzung mit diesen existenziellen Fragen macht solche Projekte wertvoll, nicht nur für die Schule.