Schiller Gymnasium Pforzheim Unsere Schule Heft 35

Wenngleich Goethes Tragödie Faust I von drei großen Figuren be- stimmt wird – dem Gelehrten Faust, der an der Suche nach un- menschlicher Erkenntnis verzweifelt, dem Teufel Mephistopheles, der mit Gott wettet, jenen Gelehrten vom rechten Weg abzubrin- gen, und dem Mädchen Gretchen, das in ihrer naiv-reinen Jugend zwischen die Fronten gerät – so taucht dieses Dreiergespann im Stück doch nie zu dritt auf, sondern immer nur in dualen Systemen. Dieses Spannungsverhältnis aufzuzeigen, war Kernintention der Faust-Inszenierung des THEATERmobileSPIELE aus Karlsruhe, das am 30.03.22 hier im Haus für die Jahrgangsstufe 12 aufgeführt wurde. Das Stück, das von dem wandelbaren Schauspieler-Duo Petra Eh- renberg und Tobias Schill in einem minimalen, aber doch nicht min- der wandelbaren Bühnenbild in einer gekürzten Fassung, aber im Originaltext dargeboten wurde, sollte die Schüler*innen zur Vorbe- reitung auf das Abitur noch einmal die Zusammenhänge der Szenen und Figuren, die Motive und Themen näherbringen, um diese auch unter neuen Gesichtspunkten verstehen zu können. Die Schauspieler agierten dabei direkt vor ihren Zuschauern, was das Stück zu einem intimen Erlebnis und vor allem die Gretchentra- gödie, in der Faust seine Angebetete in seiner von Mephistopheles angestachelten Triebhaftigkeit zur Mutter- und Kindsmörderin wer- den lässt und letztlich in den Tod treibt, zu einem intensiven Erlebnis machte. Faust THEATERmobileSPIELE „Das ist nicht wie zu Hause vor dem Computer. Bei einem Thea- terstück kann man nicht einfach wegklicken, wenn es unangenehm wird“, erklärte Schauspieler Schill in der Fragerunde nach dem Stück, wo die Schüler*innen Fragen zur Inszenierung, zum persön- lichen Verständnis des Stücks oder zu anderen Projekten der beiden Schauspieler stellten. Das THEATERmobileSPIELE präsentiert seit Jahren unter der Regie von Thorsten Kreilos Abithemen als Theaterstücke für Klassenräu- me. In den letzten Jahren waren sie mit Büchner. Die Welt. Ein Riss sowie mit Hesses Der Steppenwolf bei uns aufgetreten. Wir bedan- ken uns für die beeindruckende Aufführung und die anschauliche Abivorbereitung. Maximilian Weigl 47

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